Merry christmas! Frohe Weihnachten!

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Bensersieler Maigang

Ich glaube, ich bin wirklich schon 30 Jahre nicht mehr in Bensersiel gewesen. Ich kann mich zumindest nicht erinnern, da letztens noch mal rumgelaufen zu sein. Und das Haus, in dem wir in den 80ern mal gehaust haben, habe ich auch nicht gefunden. Dafür die Einkaufsfußgängerzone, nur der Markant ist neu. Für mich zumindest. Also los mit Schiffchenbildern:

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Da hat sich dann auch nicht viel getan, wenn man mal von diesen Privatschiffchen absieht. An denen kann man wohl noch gerade ungefähr erkennen, aus welcher Zeit solche Bilder stammen. Auch am Strand erkennt man sowas nicht, höchstens an den Campingwohnwagen, die in unmittelbarer Nähe stehen:

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Das hatte ich so auch nicht mehr auf dem Schirm. Und wenn man so lange nicht da war, dann nimmt man eine klassische Wattwanderung mit. Die Wattwanderin erzählte, dass sie diese Tour, die wir da machten, schon 30 Jahre lang macht. Und wohl auch 30 Jahre ohne Humor. Das könnte wirklich die sein, mit der wir damals auch eine Tour gemacht haben. Aber ich glaube, das war ein Mann. Und hätte ich zugehört, könnte ich jetzt auch genau erzählen, um was für einen Wurm es sich hierbei handelt:

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Kann ich aber nicht. Wäre das eine Prüfungsfrage, würde ich wohl so brass erstaunt aus der Wäsche gucken, wie dieses Schaf, als es mich sah:

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Abends wurde übrigens auf der Karte im Restaurant das “Deichlamm” angepriesen, da wurmte es mich doch, ob jedes dieser Deichschafe eines Tages seinen Weg in die Küche findet. Dann doch lieber wieder Schiffe gucken, die liegen auch in Neuharlingersiel und sind dort auch etwas schöner anzusehen:

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Nur der Sonnenuntergang, der ist in Bensersiel am besten:

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Bülach im Frühling

Direkt vor den Toren Zürichs liegt das beschauliche Bülach. Wie gut, wenn man Menschen kennt, die dort wohnen, was sollte einen sonst dorthin verschlagen. Bülach ist ziemlich gemütlich, die Insassen der alle zwanzig Minuten fahrenden Buslinien warten stoisch auf das Ende der Fahrt, die jüngeren unter ihnen ohrbestöpselt mit Blick auf ihren Smartphone-Monitor, die älteren lassen ihren Blick registrierend über Felder schweifen oder haben sich gegenseitig etwas zu erzählen.

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Nein, in Bülach muss niemand entschleunigt werden, Hektik ist nichts, was diesen Ort kennzeichnen könnte. Ordnung ist Bülachs halbes Leben, der Rest spielt sich Zuhause ab. Die Eierpreise erreichen höchstens 81 Rappen das Stück und jedes muss einzeln eingescannt werden. Die Gurken im eingeschweissten Plastik sind bio. Das Schlimmste ist, dass deutsche Zeitschriften in der Schweiz mehr kosten als im Herkunftsland.

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Der gemeine Schweizer scheint sich daheim beim Zupfen seines Zimbalons auszuruhen oder vorschriftsmäßig fahrend in seinem Automobil. Jedenfalls treffen wir ihn nicht auf unserem Streifzug über die Felder. Auch keine Landmaschinen hämmern über die Wege, als hätten wir einen Wellness-Urlaub gebucht, auf den Rücksicht genommen würde.

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Wenn es dem Schweizer in Bülach dann doch mal zu rasant wird, kann er sich in eine seiner Schrebergartenhütten zurück ziehen. Diese sind allerdings nicht mehr als schwarz lackierte Geräteschuppen, in die noch der Grill und eine Garnitur Gartenstühle passte. Der benötigte Rest wird halt so noch mitgenommen.

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Kühe läuten mit ihren Glocken. Meine Güte, wie lange habe ich keine Kuhglocken mehr gehört? In Deutschland wird es wohl wissenschaftliche Tests gegeben haben, die Kühen psychische Beeinträchtigungen durch zu lauten Glockenschlag nachgewiesen haben. In der Schweiz bimmelt es wie in einer Glockenspielanfängerklasse:

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Wir treffen auf ein paar Landstreicher, die Bier aus silbernen Blechdosen mit blauem Etikett trinken, das es bei Denner gibt. Dosen werden hier nicht weggeworfen, sondern widerrechtlich in Hundekot-Mülleimer gestopft. So schont man die Natur. Unser Blick fällt auf die bunte Blumenpracht:

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Tulpen liegen den Bülachern am Herzen. Sie sind augenscheinlich das verbreitetste Naturprodukt an Schrebergärten und auch die Verkehrskreisel kriegen welche ab. Amsterdam hat mächtig Konkurrenz bekommen. Wenn die wüssten.

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Flohmarktnachtwache

Der Verkäufer meinte, dies wäre ein Original. Und der wird ja wissen, wovon er redet.

Flohmarktnachtwache

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Christian Steiffen im eigenen Garten

Das Christian-Steiffen-Konzert wird wohl das besonderste Familienereignis in diesem Jahr gewesen sein:

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Zürich im Herbst

Am Wochenende waren wir zu Besuch in der Schweiz. Und wie der Zufall es so will, haben wir auch in der Woche vor diesem Kurzurlaub Kulturzeit angeschaut. Angepriesen wurde die Karl der Große und die Schweiz-Ausstellung. Da wir zeitig ankamen, noch ein paar Minuten übrig hatten und der Eintritt eh in unserer Fahrkarte mit drin war, widmeten wir uns dieser Zusammenstellung im Schweizerischen Landesmuseum:

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Einen Blick auf die Ausstellung darf man schon verschwenden, aber oftmals wurde der Zusammenhang zwischen Karl dem Großen, den Ausstellugnsstücken und der Schweiz nicht deutlich. Irgendwas schien größer gemacht werden zu wollen. Wie auch immer, wir verschwanden wieder und promenierten durch die Innenstadt:

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Man muss sich schon explizit eingrooven auf Zürich. Wenn man sich so wie wir blindlinks ins gemenge stürzt sieht man nur teuere Einkaufsläden und Preise. Und irgendwie denkt man die ganze Zeit, das alles gäbe es daheim eh billiger, wieso also den Blick verweilen lassen, wenn die besonderen Hingucker in den Schaufenstern ausbleiben?

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Aber farblich ist Zürich recht hübsch in diesem Herbst und die sich durch Zürich ziehende Limmat harmoniert dazu ganz vortrefflich:

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Wir waren dann dann auch noch bereit, der Munk-Ausstellung eine Chance zu geben.

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Allerdings waren da wieder diese Eintrittspreise auf Züricher Niveau. Wir verschoben den Besuch einer Munk-Ausstellung für’s Erste.

Tags darauf versuchten wir es noch einmal mit der Kunst. Dieses Mal mit dem Museum Rietberg. Ausgestellt wurden die teuersten, zeitgenössischen asiatischen Künstler, die wir allersamt nicht kannten. Daher wirdmeten wir uns zunächst der bleibenden Ausstellung. Und dort zeigte sich, dass man in der Schweiz wohl doch über so etwas wie Humor verfügen.

Wie bei dieser Zusammenstellung zum Beispiel:

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Unter diesem Schaukasten steht geschrieben, was wir hier sehen. Ganz rechts sehen sie die Maske eines Dämons. In der Mitte, wenn Sie ihren Blick mal dort hin richten, sehen sie die Maske eines Dämons. Das links da ist ein alter Mann.

Stand da so. Muss man glauben. Auch bei diesen eckbusigen Tiere-auf-dem-Kopf-Trägerinnen hatten die Dekorateure sohl ihren Spaß, denke ich.

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Wieso zielt sonst die linkte auf die rechte und die rechte sinkt getroffen in sich?

Verwirrt und belustigt zogen wir wieder von Dannen und namen einen preislich akzeptablen durch Mikrowelle aufgewärmten Snack in der Metzger- und Wursterei Zgraggen zu uns:

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Der gemeine Züricher schaute sich derweil das Aufeinandertreffen von Rudermannschaften der Uni und der Technischen Hochschule an.

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Oder man verspeist mitgebrachte Brotzeiten am Zürisee. Auch ne Möglichkeit.

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Prager Sommerausklang


Tja, was gibt es schöneres zum Ende des Sommers, als die letzte Wärme zu genießen. Wir haben das in Prag gemacht, in Düsseldorf war das so nicht mehr möglich. Zu Prag selber kann ich nun nicht sonderlich viel Neues erzählen. Die Postkartenidylle nimmt einen schon sehr in den Bann. Zum Genießen ist die Stadt auch sicher bei schlechtem Wetter etwas. Wir kamen freitags an und uns zog es zunächst in folgendes kleines Restaurant:Während wir auf unser Essen warteten, entdeckte ich eine kleine deutsche Spur an der Wand:

Schöne Grüße also von hier aus nach Maffersdorf. Auf meinem Teller, der zügig angerauscht kam, entdeckte ich dann das da:

Rindsfleisch mit Sahne, Senftunke und Spongebobs. Letztere ähneln sehr diesen Simpsons-Schwämmen, die alles aufsaugen können. Sie schmecken allerdings sehr labberig. Ich habe nur die Hälfte geschafft. Man kann sie auch im Supermarkt kaufen, wo sie als Ja!-Produkt vertrieben werden, wobei Ja!-Sachen dort clever heißen.

Am nächsten Tag zog es uns ins jüdische Viertel, wo allerhand Krimskrams verkauft wird. Im Schaufenster stierten uns dann in allseeliger Eintracht ein Rabbi, eine Matrjoschka und ein Jesus entgegen. Man braucht wohl immer nur ein verbindendes Element. Oder so.

Als wir das jüdische Viertel verlassen, stolpern wir in die Szenerie eines Kinofilms, aus der wir selbstredend sofort vertrieben werden. Während ich noch luke, ob irgendwo Matt Damon oder Franka Potente rumhüpfen, entdecken wir die Wohnwagen für die Maske. Es handelte sich um Aufnahmen der Frog’n'Desire Films für einen Film namens Clownwise. Etwas ernüchtert bogen wir um die Ecke und schlenderten an der Moldau entlang
Bevor sich die Batterien meiner Kamera dann gänzlich verabschiedeten, knipste ich noch ein Foto des Metronoms, das vom Berg aus für das Anbrechen einer neuen Zeit steht:

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Das Liebesleben der Anderen

Malte Welding, Versiebt, verkackt, verheiratet: Vom Leben nach dem Happy End, 204 Seiten, Piper Taschenbuch (9,99€) und eBook (8,49€), 2012

Der Flieger startet morgen früh nach Berlin. Wir kommen zum Frühstück an, das ist wichtig. Dann arbeitet der gemeine Berliner und die Touristen sind noch nicht ausgeschwärmt. Aber es ist echt früh, der Flieger geht um Sechsuhrirgendwas. Ich beende den Tag vorm Laptop am Schreibtisch, da kommt mir Malte Weldings neues Buch zu. Das letzte war nicht ganz mein Fall. Aber vielleicht das. Vielleicht sollte man es in Berlin lesen. Vielleicht hilft das. Abgemacht. Weldinglesen in Berlin. Der Authentizität wegen. (Vielleicht meint nun der andere oder eine, dass das nicht fair ist: Sein eigenes Empfinden und das Besprechen eines Buches zu vermischen. Wer das auseinanderhalten möchte, lese im Folgenden einfach nur den eingerückten Text.)

Um zunächst etwas zum Autor verlieren: Malte Welding ist Kolumnist der Berliner Zeitung und in Internetkreisen als Blogger bekannt geworden. Er hat schöne Artikel zu Spreeblick beigetragen, solche die man jetzt dem Blog wieder wünscht. Daneben hat er für die Blogs Fooligan, Neue Bodenständigkeit und Deus ex machina geschrieben. 2010 erschien sein erstes Buch Frauen und Männer passen nicht zusammen - auch nicht in der Mitte.

Der Flieger erhebt sich am folgenden Tag pünktlich um 6.40 Uhr in die Lüfte. Die Stewardessen setzen zu ihrer Morgengymnastik an und ich schlage die ersten Seiten auf.

Das Buch handelt von den drei Brüdern Roman, Ben, Paul sowie Pauls Freund Jimo, deren Bekanntschaft Welding hat und die es nach dem Abitur von Aachen nach Berlin verzieht. Allesamt stecken sie in Beziehungen, die ins Stocken geraten. Welding scheint sie privat zu kennen. Wird das jetzt eine Freundesanalyse? Oder ein Roman und mehr als man meint ist fiktiv? Alles bleibt etwas dunkel für den Leser, der ins kalte Wasser geworfen wird. Warum sind die Geschichten der vier so interessant? Ich fühle mich an Marcel Reich-Ranicki erinnert, der mal meinte, er wolle nur noch Problemschilderungen von Intellektuellen lesen. Ich kann das gut verstehen, auch wenn ich selber einfache Literatur zu schätzen weiß. Es muss nicht immer Kaviar sein. Aber weil ich eben Liebesproblematisierungen in der Popkultur von David Baddiel bis Verrückt nach dir inhaltlich durchwaten habe, fragt sich doch: Was bietet dieses Buch neues? Außer dass es ein Friends aus Berlin zu sein scheint? Der Blick in Beziehungen “nach dem Happy End”? Vielleicht ist das Buch eher für Leute, die nur Liebesfilme kennen.

Als wir wieder festen Boden unter den Füßen haben, bemerke ich, dass in Berlin ja noch Winter ist. Mindestens 7 Grad weniger als in Düsseldorf. Es herrscht interkontinentales Klima, wie ich mich aus dem Sachunterricht zu erinnern glaube. Der war aber auch vor der Wende. Ich habe Durst und ziehe mir was am Automaten. Meine Freundin fängt lauthals an zu lachen, als sie die Büchse sieht und berlinert:

Ditt kennwa im Westen ja schon janich mehr: Dosen ohne Pfand!

Die S-Bahn verspätet sich, ich krame meine Lektüre raus:

Welding stellt jedem Kapitel Zitate voran. Sowas mag ich ja gar nicht. Die Zitate sind nicht sonderlich vomhockerhauend, haben mit dem was folgt auch nicht direkt zu tun. Ich überlese sie konsequent. Die drei Brüder stecken in Beziehungen: Roman hat Mia geheiratet, Mia trennt sich gerade von Paul und Ben ist mit Juila Mia zusammen. Was sind das nun also für Leute?

Wir checken bei meinem Freund am Ostkreuz ein und lernen Maren kennen, die auch dort wohnt. Sie hat Medizin studiert, aber nicht zu ende, ist Mitte 30 und sattelt nun zur Immobilienmaklerin um. Die letzte Prüfung hat sie in Berlin verpasst, kann sie aber, was sie heute erfahren hat, in Rostock ablegen. Und hinterher vielleicht noch etwas studieren - was man in Berlin eben so macht. Über die Brücke am Ostkreuz verschlägt es uns in das Datscha. Es gibt schweres russisches Frühstück…

… und Zeit zum lesen:

Zunächst lernen wir Roman und Paul kennen, nachdem Greta Paul, der sich gerade auf einem LSD-Trip befindet, den Laufpass gegeben hat. Von Roman und Greta erfahren wir, dass beide ein Kind bekommen wollen, aber etwas kontraproduktiverweise das mit dem Sex gerade so gar nicht läuft. Von Ben wissen wir, dass er Architektur studiert oder studiert hat und Paul ist ehrgeizloser Rechtsanwalt. Die Berufe spielen aber im Folgenden keine sonderliche Rolle. Mia hängt an Roman, vielleicht etwas leidenschaftlicher als umgekehrt, Greta scheint eine gutaussehende, willensstarke Frau zu sein. Generell bleibt es aber bei Typisierungen der Charaktere, ein eigenes Bild will sich kaum einstellen. Die Kerle kommen mir vor wie phantasielose, unlustige Tunichtguts. Wenig inspirierend - weder zum Interesse an den Charakteren, noch zum Weiterlesen.

Als wir nachmittags so durch den Osten schlendern, fallen mir die traditionellen Berlinerisms auf. In der Straßenbahn hat gefühlt jeder Zweite eine Bierflasche dabei, im Osten flanieren Hundeköttel die Gehwege, es herrscht distanzierte Humorlosigkeit, hektisches Gehen, Gedrängel, und man sieht, was Frauen in Berlin für Mode halten: Knallenge Leggins zu dunkelwattierten Rettungswesten. Oder wie meine Freundin sich ausdrückt:

Hier laufen selbst die ganz hübschen Mädchen auf hässlich getrimmt rum.

Als irgendwo waschechte Düsseldorferin zieht es sie in eine der 111 Sehenswürdigkeiten des Sehenswürdigkeitenbuches, das in Berlin die Touristen erkennbar macht: Das ganzjährige Verkleidungsgeschäft.

Während sie den Laden auseinandernimmt und sich schließlich für eine überdimensionierte Geburtstagsbrille, sowie 30er Absperrband und Warnschilder für ihren Geburtstag entscheidet, lese ich…

… einen Witz. Tatsächlich. Ich lache auf Seite 130. So, dass einige mich schon komisch anschauen. Öffentliches, spontanes Lachen in Berlin ist so eine Sache. Ich werde aber quasi mit dieser Stelle etwas wärmer mit dem Buch. Ich denke nicht mehr ans Weglegen. Immerhin so gut muss die Lektüre sein. Man kann sie weiterlesen. Ich habe die Hoffnung aufgegeben, dass man sich, vielleicht wie in einem Roman, mit irgendeiner Figur derart anfreundet, dass man mitfiebert. Pustekuchen. Dafür gibt es Namedropping: Dawkins, Pinker und die Internetaussteckanekdote von Franzen. Jaja.

Am nächsten Morgen hole ich Brötchen, Saft und Milch. Die B.Z. titelt “ENDLICH! Sauf Verbot in der BVG”. Kritik wird hier ja schnell umgesetzt, denke ich. Ubringens: Die schmierigen Graffiti sind auch scheiße! Ich gelange zur Brötchentheke, an der ich mich nicht entsinnen kann, wie Berliner noch mal in Berlin heißen, lerne dagegen: “Good Cookies go to heaven, bad cookies go to…”

Als ich mit den Frühstückssachen wieder in die Wohnung komme, erzählt Maren, dass sie nun eine Wohnung in Rostock hat. Dafür die Prüfung aber nicht machen kann. Ist nicht immer alles Einbahnstraße. Zum Mittagessen zieht es meine Freundin und mich wieder in den Osten. Hinter den Hackeschen Höfen ist Sushi angesagt. Das Sushi kann es mit den Düsseldorfern aufnehmen. Da ich weniger Teller verputze als meine Begleitung…

… und mir die dortigen Kleidungsfachgeschäfte nicht so zusagen wie meiner Freundin, blättere ich etwas.

Die handelnden Personen im Buch lassen sich offenbar immer von irgendwelchen Gefühlen treiben. Man erfährt eigentlich zu wenig über wirkliche Gründe. Alles bleibt Spekulation, alle Veränderung wirkt wie Einbahnstraße. Das Buch verleitet, selbst über Pärchen nachzudenken. Ich habe nach meiner Abizeit selbst gerne Pärchen analysiert, nach Zielen gefragt, über das Wohlbefinden der einzelnen Partner nachgedacht. Einmal habe ich das einem Bekannten vorgelegt, worauf dieser meinte: “Japp, das klingt alles schlüssig. Und ich glaube auch nicht, dass Beziehungen immer sonderlich glücklich sind unterm Strich. Aber vielleicht sind die damit zufrieden.” Da habe ich mich angefangen, mich in Zurückhaltung zu üben, was andere Pärchen angeht.

Als wir den Rückweg antreten - Rotfront tritt abends für lau im So36 auf-, kommt uns in Form dreier Personen Mia. entgegen. Sagt zumindest meine Freundin. Ich habe nur Augen für die schulterbepolsterten Lilaanzüge, die mir einen Tick zu metrosexuell vorkommen. Die blonde Begleitung ist zu klein, um mir aufzufallen. Kann sein, dass das Mietze war. Oder auch nicht.

Auf dem Rückweg kommen wir am St. Oberholz vorbei, uns verschlägt es aber in Unser Haus am Meer. Meine Freundin klagt seit 2 Tagen über Seitenstechen. Blinddarm, eventuell. Kann sein, meinte Maren. Ich lasse mir das Wlan-Passwort geben und google die 5 typischen Kennzeichen einer Blinddarmentzündung. Ihre Wehwehchen qualifizieren nicht für was mit Blinddarm.

“Wanderschmerz”, lese ich vor. “Ja, jetzt, wo du’s sagst: im Rücken zieht was!” - “Nee, das soll heißen, der Schmerz wandert zum Blinddarm hin, nicht quer durch den Körper.” - “Ach, so.”

Ihr geht es schlagartig besser. Und während sie herauszufinden versucht, wer die überbotoxte Frau im roten Kleid auf der anderen Seite ist, und ob sie ihren Begleiter aus dem Fernsehen kennt, lese ich das Buch zu ende.

Das Buch ist zu ende gelesen und verhandelt. Das Ende wird nicht verraten. Wir erfahren mehr über Bens Dreiererfahrung, Jimos Familienplanung und die Eltern der drei Brüder. Soviel sei gesagt.

Was rate ich nun einem potentiellen Leser? Vielleicht das, was man einem zu Berlin auch empfehlen würde: Man sollte es selbst erkunden. Ich halte mich nicht für sonderlich repräsentativ, um dieses Buch geschmacklich genau einzuordnen. Dazu hat man, gerade was Liebe als Thema angeht, doch viel Gepäck immer mit dabei.

Ob dieses Buch was für Sie ist, mein geneigter Leser, müssen sie selbst herauskriegen. Vielleicht haben Sie durch die vorangegangen Zeilen etwas Appetit bekommen.

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