Bülach im Frühling

Direkt vor den Toren Zürichs liegt das beschauliche Bülach. Wie gut, wenn man Menschen kennt, die dort wohnen, was sollte einen sonst dorthin verschlagen. Bülach ist ziemlich gemütlich, die Insassen der alle zwanzig Minuten fahrenden Buslinien warten stoisch auf das Ende der Fahrt, die jüngeren unter ihnen ohrbestöpselt mit Blick auf ihren Smartphone-Monitor, die älteren lassen ihren Blick registrierend über Felder schweifen oder haben sich gegenseitig etwas zu erzählen.

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Nein, in Bülach muss niemand entschleunigt werden, Hektik ist nichts, was diesen Ort kennzeichnen könnte. Ordnung ist Bülachs halbes Leben, der Rest spielt sich Zuhause ab. Die Eierpreise erreichen höchstens 81 Rappen das Stück und jedes muss einzeln eingescannt werden. Die Gurken im eingeschweissten Plastik sind bio. Das Schlimmste ist, dass deutsche Zeitschriften in der Schweiz mehr kosten als im Herkunftsland.

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Der gemeine Schweizer scheint sich daheim beim Zupfen seines Zimbalons auszuruhen oder vorschriftsmäßig fahrend in seinem Automobil. Jedenfalls treffen wir ihn nicht auf unserem Streifzug über die Felder. Auch keine Landmaschinen hämmern über die Wege, als hätten wir einen Wellness-Urlaub gebucht, auf den Rücksicht genommen würde.

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Wenn es dem Schweizer in Bülach dann doch mal zu rasant wird, kann er sich in eine seiner Schrebergartenhütten zurück ziehen. Diese sind allerdings nicht mehr als schwarz lackierte Geräteschuppen, in die noch der Grill und eine Garnitur Gartenstühle passte. Der benötigte Rest wird halt so noch mitgenommen.

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Kühe läuten mit ihren Glocken. Meine Güte, wie lange habe ich keine Kuhglocken mehr gehört? In Deutschland wird es wohl wissenschaftliche Tests gegeben haben, die Kühen psychische Beeinträchtigungen durch zu lauten Glockenschlag nachgewiesen haben. In der Schweiz bimmelt es wie in einer Glockenspielanfängerklasse:

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Wir treffen auf ein paar Landstreicher, die Bier aus silbernen Blechdosen mit blauem Etikett trinken, das es bei Denner gibt. Dosen werden hier nicht weggeworfen, sondern widerrechtlich in Hundekot-Mülleimer gestopft. So schont man die Natur. Unser Blick fällt auf die bunte Blumenpracht:

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Tulpen liegen den Bülachern am Herzen. Sie sind augenscheinlich das verbreitetste Naturprodukt an Schrebergärten und auch die Verkehrskreisel kriegen welche ab. Amsterdam hat mächtig Konkurrenz bekommen. Wenn die wüssten.

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